INTERVIEW
Vom Zufall zur Schlüsselkompetenz
Eine abgesagte Weiterbildung wurde zum Wendepunkt: Wie Sportphysiotherapie den Blick auf Therapie nachhaltig verändert und warum strukturiertes Denken den Unterschied macht.
Wie wirkt sich eine Weiterbildung langfristig auf den Berufsalltag aus? Alexander Brumann, Gruppenleiter Ambulante Therapie bei ZURZACH Care, hat die Ausbildung in Sportphysiotherapie 2018 abgeschlossen. Im Interview erzählt er, wie er eher zufällig zu dieser Weiterbildung kam, welche Inhalte ihn besonders geprägt haben und wie das Gelernte seine therapeutische Arbeit bis heute beeinflusst.
Einstieg und Ausgangslage
Kannst du dich kurz vorstellen und erzählen, wo du beruflich standest, bevor du die Sportphysiotherapie-Ausbildung begonnen hast?
Ich hatte zu diesem Zeitpunkt bereits rund fünf Jahre Berufserfahrung als Physiotherapeut gesammelt. Nach einem kurzen beruflichen Aufenthalt in Deutschland bin ich zur Zurzach Care gekommen. Eigentlich wollte ich mich damals im Maitland-Konzept weiterbilden, doch der geplante Kurs wurde kurzfristig abgesagt. Dadurch habe ich mich eher zufällig für die Weiterbildung in Sportphysiotherapie entschieden – rückblickend war das eine der besten Entscheidungen meines beruflichen Lebens. Ich habe die Ausbildung 2018 abgeschlossen.
Entscheidung für die Weiterbildung
Was hat dich damals dazu bewogen, dich für diese Ausbildung zu entscheiden?
Die Entscheidung war tatsächlich eher ein Zufall, weil meine ursprünglich geplante Weiterbildung nicht stattfinden konnte. Heute bin ich sehr froh darüber, denn die Sportphysiotherapie hat mir fachlich unglaublich viel gebracht und meinen Blick auf viele muskuloskelettale Themen erweitert.
Erfahrung während der Ausbildung
Was hat dich in der Ausbildung besonders überzeugt oder positiv überrascht?
Mich hat vor allem das Gesamtkonzept der Ausbildung überzeugt. Man merkt, dass hinter dem Aufbau ein klarer Gedanke steckt. Das gesamte Dozierendenteam vermittelt die Inhalte sehr verständlich und praxisnah. Besonders wertvoll fand ich, dass hier wirklich wieder einmal eine Fortbildung angeboten wird, die tief in die Materie geht und versucht, die Themen von Grund auf zu erklären.
Gab es einen Moment oder ein Modul, das für dich besonders geprägt hat?
Das Modul zur Schulter fand ich besonders spannend. Die Schulter ist ein sehr komplexes und gleichzeitig faszinierendes Gelenk. Um sie wirklich zu verstehen, muss man auch Zusammenhänge mit der Halswirbelsäule und der gesamten Wirbelsäule berücksichtigen. In diesem Bereich habe ich mich besonders gut abgeholt gefühlt – auch durch die Art, wie die Inhalte vermittelt wurden.
Wie hast du die Dozierenden und die Praxisnähe erlebt?
Die Dozierenden haben die Inhalte sehr praxisnah vermittelt. Der Unterricht war oft mit Humor gestaltet, gleichzeitig war aber auch immer die nötige Ernsthaftigkeit vorhanden – insbesondere im Hinblick auf die Prüfungen und die fachliche Tiefe. Insgesamt hat man gespürt, dass sich die Verantwortlichen wirklich viele Gedanken über die Struktur der Ausbildung gemacht haben. Es gibt einen klaren roten Faden von der Theorie bis zur praktischen Anwendung im Berufsalltag. Meiner Meinung nach gelingt das nicht allen Weiterbildungen gleich gut.
Wirkung und Transfer in die Praxis
Was hat sich seit Abschluss der Ausbildung in deiner beruflichen Praxis konkret verändert?
Die Ausbildung hat mir vor allem geholfen, strukturierter zu arbeiten. Viele Krankheitsbilder, die man vorher eher intuitiv behandelt hat, kann ich heute bewusst analysieren und systematisch angehen. Ich verstehe die Zusammenhänge besser und kann meine therapeutischen Entscheidungen auch fundiert begründen – sowohl gegenüber Patientinnen und Patienten als auch im interprofessionellen Austausch.
Kannst du ein konkretes Beispiel nennen, wo dir das Gelernte direkt geholfen hat?
Ein gutes Beispiel ist die Sehnenrehabilitation. Dieses Thema wird in vielen Grundausbildungen nicht so detailliert behandelt. In der Sportphysiotherapie habe ich gelernt, Sehnenstrukturen differenzierter zu betrachten und sie klar von Bandstrukturen zu unterscheiden. Dieses Verständnis hat meine Therapieansätze deutlich verändert und verbessert.
Wirkung auf Karriere und Selbstverständnis
Hat die Ausbildung dein Selbstvertrauen oder deine Rolle als Therapeut verändert?
Ja, auf jeden Fall. Durch das vertiefte Wissen kann ich therapeutische Entscheidungen bewusster treffen und auch besser erklären. Das gibt Sicherheit im Umgang mit Patientinnen und Patienten und stärkt das eigene Selbstverständnis als Therapeut.
Empfehlung
Für wen würdest du die Ausbildung besonders empfehlen – und warum?
Ich würde die Weiterbildung allen empfehlen, die im muskuloskelettalen Bereich arbeiten oder sich dort stärker spezialisieren möchten. Besonders geeignet ist sie für Therapeutinnen und Therapeuten, die ein Interesse an Training und aktiver Therapie haben und ihr Verständnis für komplexe Bewegungs- und Belastungsprozesse vertiefen wollen.
Wenn du die Ausbildung in einem Satz beschreiben müsstest – wie würde dieser lauten?
Ein zentraler Gedanke aus der Ausbildung ist: vom unbewussten Handeln ins bewusste Handeln zu gehen.
Vielen Dank, Alexander, für die persönlichen Einblicke und das Teilen deiner Erfahrungen.